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Picasso           

Ola Eibl
Von Hella Derouin

Je nach Sujet und Technik und den ihnen innewohnenden Möglichkeiten kreiert Ola Eibl ihre Werke.
Im Ausloten des Möglichen entzieht sie dem Medium förmlich die Essenz. Sie scheint in jedem Medium
zu Hause, aber jedes entführt in andere Sphären, stiftet andere Bedeutungen.

Obwohl Malerei, Gravur und die verschiedensten Arten von Zeichnung in Eibls Oeuvre ein quasi
eingenständiges Dasein führen, vereint sie ein allesverbindendes Element.
Es ist das Fließende, das Fliehende, das Flüchtige, das den Arbeiten der jungen Künstlerin anhaftet.
Es ist das dynamische, von der Linie getriebene Bildgeschehen.

Dieses Vorwärtstreibende einerseits und die von der Linie diktierte Handschrift andrerseits finden
sich selbst in Eibls Öllandschaften. Im ruhelosen Pinselstrich, in der stoßartig wiederholt und pastös
aufgetragenen Farbe, in den kreisenden oder schlingernden Formen, in den in die Oberfläche
gekratzten Spuren. Der pulsierenden Natur wirkt einzig deren farbliche Ausgeogenheit entgegen.

So wie sich das Moment der Bewegung geradezu zwangsläufig in die Landschaftsszenarien einschleicht,
taucht es, gewollt thematisiert, in Ola Eibls Werk immer wieder auf.
In atemberaubenden gegenständlichen Farbstudien, wo Geschwindigkeit bis zur völligen Abstraktion
getrieben wird. Oder, wo aus dem schwindelerregenden Farbrausch, nun umgekehrt,
menschliche Schemen aufscheinen. Wo Malerei gleichzeitig Schnelligkeit und Räumlichkeit suggeriert.

Bewegungsstudien anderer Art sind Eibls in Bleistift ausgeführte Improvisationen.
Sie bestechen durch die gekonnte Aufteilung der Linien im Raum, durch deren bewussten Rücktritt
in die Zweidimensionalität, durch Sparsamkeit der Ausdrucksmittel zum Einen und
Variantenreichtum moderierender Strichführung zum Anderen.
Jedes Blatt dieser Reihe inszenierter Bewegungsflüsse gleicht einer in sich geschlossenen
minimalistischen Komposition. Jedes Blatt dieser Reihe ein Bonbon.

Mit derselben Sparsamkeit gelingt es der Künstlerin, Akte und Portraits zu zeichnen, mit einer
nunmehr als Kontur dienenden Linie, die das Darzustellende in scheinbar einem Zug erfasst und
elegant auf das Elementarste reduziert.

Jedem Medium gewinnt Eibl ab, was dem Medium, aber auch ihr selbst im Innersten entspricht.
Der Tuschezeichnung das immanent Flüssige, das schnelles Arbeiten erfordert, schnelles
Erfassen der von Licht umspielten Formen.
Die mit dunkelfarbiger Tusche gemalten Früchtearrangements etwa werden förmlich wiedergeboren
auf dem Papier aufgrund ihrer illusionistischen Plastizität bei dennoch lebendig-malerischer Sprödigkeit.

Die Federzeichnunge schließlich zelebriert das Spiel von Licht und Schatten.
Da sind die zu tiefstem Schwarz verdichteten Linien, die nicht nur Schatten, sondern auch Tiefe evozieren.
Wo sich die Feder eingräbt in das Dunkel wie in die Unterwelten der Seele.
Sie kapriziert sich in surrealistischen Landschaften, Labyrinthen des Unmöglichen, Gestalten,
bis zur Karikatur verzerrt.
Die akribische Feder, wie in gerader Linie vom Unterbewusstsein in die Hand, gebiert die Ungeheuer.
Hier scheint es, als übernähme das Medium gänzlich die Oberhand und dirigiere die Künstlerin.

Ola Eibl ist eine äußerst sensible Künstlerin, die sich einerseits treiben lässt von den Möglichkeiten
künstlerischer Ausdrucksmittel und andrerseits instinktiv erspürt, wozu sich diese gebrauchen lassen.

Man darf gespannt sein, was Ola Eibl noch alles er-findet.

Copyright: Hella Derouin 2011

 

 

 

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